Die Tiroler

TIROL FREITAG, 20.1.2023 | NR. 518 2 Die weltweit letzte ihrer Art Eine aztekische Federkrone ist Teil der Habsburgischen Sammlung von Schloss Ambras DieFederkronedes berühmten aztekischenHerrschersMontezuma, der im Krieg gegen die spanischen Invasoren starb, kam vor 500 Jahren nach Tirol. Wie, ist bis heute nicht im Detail geklärt. 75 Jahre nachMontezumas Tod war sie jedenfalls Teil der Sammlung auf Schloss Ambras. VON MANFRED SCHIECHTL Montezuma war bis zu seinem Tod am 30. Juni 1520 in Tenochtitlán im heutigen Mexiko 18 Jahre lang Herrscher über das Reich der Azteken. Er ist weltweit bekannt für seine Rolle im Kampf gegen die spanischen Invasoren unter Hernán Cortés. Die Federkrone aus der Habsburgischen Sammlung von Schloss Ambras soll Montezumas Federkrone gewesen sein. Es ist jedoch nach wie vor unklar, wie und wann der Federschmuck Mexiko verlassen hat und wie er nach Tirol gelangt ist. Nach der Eroberung des Aztekenreiches zwischen 1519 und 1521 sandten die Spanier zahlreiche Artefakte nach Europa. Obwohl Listen vieler dieser Objekte überliefert sind, lässt sich der Federkopfschmuck darunter nicht zweifelsfrei einordnen. Es existiert beispielsweise eine Liste von rund 160 Objekten, die Eroberer Hernán Cortés selbst an den spanischen König sandte. Als Carlos I. war zu dieser Zeit der Habsburger Karl V., ein Enkel von Kaiser Maximilian, dem letzten Ritter, spanischer König. Und damit schließt sich der Kreis möglicherweise: Die älteste Beschreibung des Federkopfschmucks findet sich in einem Inventar, das für die damals im Schloss Ambras befindliche Kuriositätensammlung des Erzherzogs Ferdinand von Tirol, ebenfalls ein Habsburger, nach seinem Tod im Jahre 1596 angelegt wurde. Es gibt also eine direkte Verbindung zwischen dem spanischen Hof, vermuteter Ursprung des Federschmucks, und Schloss Ambras. Andere Forscher vermuten, dass der Federkopfschmuck aus der Sammlung des Grafen Ulrich VI. von Montfort aus dem damaligen VorderösDie Federkrone des Herrschers Montezuma II. aus dem Schloss Ambras. FOTO: KHM-MUSEUMSVERBAND Zeichnung aus demberühmten Tovar Codex – Krönung von Montezuma I. mit Federschmuck. terreich, das von Innsbruck aus regiert wurde, stammt und von Ferdinand erworben wurde. Geschmückt mit den Federn des tropischen Vogels Quetzal Der Federschmuck besteht aus Federn des Quetzal, aber auch Federn von Kotinga, Rosalöffler, Cayenne-Fuchskuckuck und Eisvogel sind verarbeitet. 1884 zählte man 459 Federn im Ambraser Federkopfschmuck, wobei man anhand von Abbruch und Ausfall erkannte, dass es einst noch mehr gewesen sein mussten. Der Quetzal lebt in den Nebelwäldern Mittelamerikas. Er ist knapp 40 Zentimeter groß, zwei bis drei der Schwanzfedern des Männchens werden jedoch bis zu einem Meter lang. Sie sind Hauptbestandteil der Federkrone. Laut Inventarnummer 10.402 der Sammlung Schloss Ambras wird ihre Entstehung mit „um 1515“ beschrieben. Bei der Herstellung des 1,3 x 1,78 Meter großen Stücks wurden auch Holz, Rohrspäne, Fasern, Papier aus Pflanzenfasern, Baumwolle, Leder, Gold, Messing verarbeitet. Eine Rückkehr nach Mexiko ist ebenso unwahrscheinlich wie nach Tirol In der Napoleonischen Zeit wurden Sammlungsgegenstände aus Schloss Ambras nach Wien transferiert, einerseits aus Sicherheitsgründen, andererseits weil Tirol an Bayern abgetreten worden war. So gelangte der Federkopfschmuck nach über 200 Jahren in Schloss Ambras im Jahr 1806 nach Wien. Der Federschmuck befindet sich heute im Wiener Weltmuseum, das ebenso wie Schloss Ambras ein Teil des Museumsverbandes des Kunsthistorischen Museums ist. Der Federschmuck ist der einzige erhaltene seiner Art. Im Museo Nacional de Antropología von Mexiko-Stadt befindet sich eine Kopie der Ambraser Federkrone, die in den 1950er-Jahren angefertigt wurde. Es gibt Initiativen für eine Restitution, sprich Rückgabe des einzigartigen Stücks an Mexiko. Heute täuscht das prächtige Aussehen des Kopfschmucks allerdings. Betrachtet man ihn von der Rückseite, wird ein prekärer Erhaltungszustand deutlich. Alterung und Schäden durch früheren Insektenbefall sind Ursachen für einen fragilen Zustand. Von österreichischen und mexikanischen Spezialisten durchgeführte Untersuchungen haben ergeben, dass die Federkrone einen Transport nicht unbeschadet überstehen würde. Deshalb ist eine Rückkehr nach Mexiko unwahrscheinlich und wird aktuell von der mexikanischen Regierung auch nicht gefordert. Unwahrscheinlich ist aus dem gleichen Grund daher aber auch eine Rückkehr auf das Schloss Ambras. Aus den Federn des Quetzal wurde der Federschmuck gefertigt. FOTO: ADOBE STOCK Verbrecherjagd in Entenhausen Bundesheer an der Tiroler Grenze Neue Briefmarken zur Parlaments-Eröffnung FREIZEIT GRENZSCHUTZ BRIEFMARKEN Am 24. Jänner geht es mit der erfolgreichen Reihe des Walt Disney Lustiges Taschenbuch in die nächste Runde. In der dritten Staffel von „Crime“ müssen Gauner und Ganoven wieder fürchten, geschnappt zu werden, denn die Entenhausener Profiler begeben sich in spannenden Krimigeschichten auf spektakuläre Verbrecherjagd. Zur Wiedereröffnung des generalsanierten Parlamentsgebäudes gibt die Österreichische Post eine Auswahl an Briefmarken und Postkarten heraus. Vier Postkarten sowie vier Briefmarken mit einer Nominale von je einem Euro zeigen Motive des sanierten Parlaments, darunter den Nationalratssitzungssaal sowie den Sitzungssaal des Bundesrates. Das neue Marken- und Postkartenhe kostet 6,99 Euro. 105 Soldaten und Soldatinnen der 1. Kompanie des Jägerbataillons 23 erhielten in der Standschützen-Kaserne Einsatzmedaillen. Die Gebirgssoldaten waren seit September 2022 im Rahmen der Assistenzkompanie des Militärkommandos drei Monate im sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz in den Räumen Brenner und Nauders eingeteilt. Aktuell sind die Soldaten der ABC-Abwehrkompanie des Stabsbataillons 6 im Einsatz. Sie unterstützen die Polizei bei der Eindämmung der illegalen Migration. Fotos: Egmont Ehapa Media GmbH, Bundesheer, Post AG RANDNOTIZ I DIE GLOSSE MIT AUGENZWINKERN von Manfred Schiechtl Wir blättern im Lexikon und finden folgende interessante Begriffserklärung: „Ein meist von einer größeren Gemeinschaft angenommener bestimmter, durch Lehre und Satzungen festgelegter Glaube und sein Bekenntnis.“ Stellt sich die Frage, auf was unsere Lexikonbeschreibung zutrifft. Vor der Auflösung allerdings eine Frage: Trifft die Beschreibung auf Klimawandelbefürworter oder, anders herum, sogenannte Klimaleugner zu? Ja, sie trifft bei genauer Betrachtung zu. Wie sieht es mit Null-Covid-Befürwortern oder, anders herum, sogenannten Impfgegnern aus? Ja, sie trifft zu. Weiter geht es mit Veganern, Vegetariern, Flexitarierern. Ja, sie trifft zu. Die Liste ließe sich leicht fortsetzen. Und nun zur Auflösung. Die eingangs erwähnte Erklärung beschreibt Religion. Der Mensch als Herdentier braucht, so scheint es, immer eine Gruppe Gleichgesinnter, um sich zu definieren. Und nun sind wir beim Kern des heutigen Themas: Jedes Jahr, wenn die neuen Zahlen für Kirchenaustritte veröffentlicht werden, fragen sich alle, was sind die Gründe? Etwas ketzerisch, aber ganz einfach: Es gibt zuviel Konkurrenz in unserer ausschweifenden und übersättigten Gesellschaft. Von der Klimakirche bis zu den anderen quasi-religiösen Gruppierungen. Weit hergeholt, denken Sie? Der beste Beweis, dass etwas existiert, ist, wenn sich in unserer Sprache ein Wort dafür gebildet hat. Na denn - den Begriff Ersatzreligion kennt sicher jeder (gibt es übrigens seit rund 120 Jahren). Und deshalb muss man für die katholische Kirche eine Lanze brechen. Trotz 6.004 Kirchenaustritten in der Diözese Innsbruck behaupte ich, dass sich die Kirche ob dieser Konkurrenz im Wettkampf um die Gunst der Menschen ausgezeichnet hält. Eigentlich müsste man mit weitaus mehr Austritten rechnen und schon gar nicht mit 302 Wiedereintritten. 67 Prozent der Tiroler Bevölkerung sind Katholiken. Impfbefürworter machen in Österreich 64 Prozent aus, Klimaschützer 60, Flexitarier 30, Vegetarier elf und Veganer ein Prozent. Alles gesagt, oder? Die katholische Kirche hält sich ausgezeichnet im Gunst-Wettkampf mit Ersatzreligionen manfred.schiechtl@athesia.at

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