Die Tiroler

TIROL FREITAG, 20.1.2023 | NR. 518 3 Von orangen, grünen und rotenWochen Das aufregende Jahr der Teresa Muigg Eine Tiroler Abgeordnete, die auch die Schattenseiten des Berufslebens aus eigener Erfahrung bestens kennt, vertrittÖsterreich im Europaparlament in Brüssel und Strassburg. Das vergangene Jahr war für Teresa Muigg ein aufregendes Jahr. Die 38jährige Schwazerin, die bei der Europawahl 2019 als Spitzenkandidatin der SPÖ Tirol auf dem bundesweit zehnten Listenplatz – aussichtslos auf ein Mandat – antrat, rückte am 10. Oktober 2022 für Bettina Vollath ins Europäische Parlament nach. „Der zehnte Listenplatz war ohne realistische Chance. Dass ich dann zwei Jahre später doch ein Mandat erhielt, damit hätte ich nie gerechnet. Die Freude war natürlich riesengroß“, strahlt die Unterländerin. Im November 2022 wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden der Albanien-Delegation des EU-Parlaments gewählt und im Dezember folgte dann die Hochzeit. Nun geht es in das fordernde Jahr 2023. „Meine Arbeitswoche hat 60 Stunden und mehr. Natürlich gibt es dazu auch eine Reihe von Abendund Wochenendterminen. Aber wenn man etwas gerne tut, dann ist das nicht schlimm“, erzählt Teresa Muigg. Eine Pause gibt es nur kurz im Jänner (eine Woche) und im Sommer (drei Wochen). Das Leben der Politikerin bestimmt der farbige Abgeordnetenkalender des Parlaments (siehe rechts). Grüne Tage heißen, dass Teresa Muigg in Tirol ist, Rot steht für Strassburg, Orange für Brüssel. Ein holpriger Start ins Berufsleben und eine Chance durch das AMS Teresa Muigg legte alles andere als eine Paradepolitikerkarriere hin, darüber spricht sie ganz offen. Und darauf ist sie auch stolz, denn das ist ihr großer Trumpf. „Mein Berufsleben begann ich mit Mindestlohnjobs in der Systemgastronomie und der Reinigung. Die Schule hatte ich abgebrochen. Mit 20 bekam ich aber eine große Chance durch das Arbeitsmarktservice, das AMS. Ich wurde dort als Beraterin eingestellt. Dabei habe ich sozusagen an der Front tagtäglich von den Problemen der Menschen gehört. Das hat mich geprägt. Ich habe mir dann meinen eigenen holprigen Lebensweg angesehen und beschlossen, mich zu engagieren. So bin ich als ehrenamtliche Helferin bei der SPÖ Tirol gelandet“, blickt Teresa Muigg stolz in die Vergangenheit. Parallel zum AMS-Job holte sie die Schule nach und studierte Erziehungswissenschaften. Und in der SPÖ wurde aus der Helferin eine Europaabgeordnete. Als Europaparlamentarierin hat sich Teresa Muigg für heuer vor allem zwei Dinge vorgenommen: „Mein inhaltlicher Schwerpunkt werden die Menschenrechte sein. Ich möchte aber auch interessierten Menschen in Tirol von Brüssel und Strassburg berichten. Dazu planen wir für Februar eine spezielle Veranstaltung.“ Teresa Muigg geht nicht politisch vorbelastet nach Brüssel. FOTO: SPÖ TIROL Bunte Wochen quer durch Europa – so sieht der Terminkalender der Europaparlamentarierin Teresa Muigg für 2023 aus. FAKSIMILE: EUP Einer der zwei Arbeitsplätze von Teresa Muigg – Parlamentsgebäude in Strassburg. FOTO: PIXABAY Bollywood entdeckt neue Drehorte in Tirol Vollsperre des Arlbergtunnels Offen und ehrlich von Mann zu Mann SHOWBIZ MOBILITÄT LEBENSHILFE Der Herkun smarkt Indien ist für den heimischen Tourismus längst zur fixen Größe geworden. Bei dessen Bewerbung spielen die Bilder aus der indischen Filmindustrie eine wesentliche Rolle. Um Impulse zu setzen, lud Innsbruck Tourismus eine hochkarätige Delegation zur „Site-Inspection“ ein. Die Gäste aus Bollywood zeigten sich begeistert. Ob zu Gewalt, einer Lebenskrise oder zum ema Partnerscha – der Tiroler Verein „Mannsbilder“ bietet Burschen und Männern kostenlose und vertrauliche Beratungen an. Zu den bestehenden Einrichtungen in Innsbruck, Wörgl, Reutte, Landeck und Lienz kam nun eine sechste im Gesundheitszentrum Kitzbühel dazu. Nach der Verschiebung sämtlicher geplanten Arbeiten im Arlbergtunnel um ein Jahr herrscht ab sofort Gewissheit: Am 24. April erfolgt der Startschuss für die erste von insgesamt zwei Vollsperren des Arlbergtunnels. Der Grund dafür ist die nach knapp 45 Jahren nicht mehr aufzuschiebende Erneuerung der gesamten Fahrbahn im längsten Straßentunnel Österreichs. Für die umfassenden Arbeiten sind zwei Vollsperren in den Jahren 2023 und 2024 vorgesehen – für jeweils fünf bis sechs Monate. Fotos: Innsbruck Tourismus/Oss, Asfinag, Pexels SCHON GEWUSST? I STAUNEN MIT EUREGIO-WISSEN Ein historischer Krimi in der Wissenscha , der sich über Jahrhunderte hinzog, war die Suche nach der Erklärung, wie der Brenner zu seinem ungewöhnlichen Namen kam. Mit der Namensdeutung des wichtigsten Alpenpasses exakt an der Grenze von Nord- und Südtirol haben sich jedenfalls Generationen von Gelehrten auseinandergesetzt. Der älteste Ansatz war, dass sich der Name von den Breonen, einem Stamm der Räter, die Ur-Tiroler, ableitet. Diese hatten im mittleren Inntal rund um Innsbruck, im vorderen Stubai- und im Wipptal nördlich und südlich des Brenners gelebt. Nicht zuletzt deshalb also eine eigentlich naheliegende Erklärung. Auf diese ese folgte sogleich eine Gegenthese. Der wertvolle Bernstein von der Ostsee wurde in der Bronzezeit über die sogenannte Bernsteinstraße, die über den Brenner führte, bis nach Ägypten geliefert. Bernstein hieß damals Brennstein. Bingo, sagten da einige Gelehrte. Die wahrscheinlichste Erklärung stammt jedoch aus dem Mittelalter, als der Brenner noch Mittenwald hieß. Ende des 13. Jahrhunderts wurde ein Mann namens Prennerius de Mittenwalde mehrfach urkundlich erwähnt. Er besaß am Pass zwei Bauernhöfe. Das Wort Prenner war zudem als Bezeichnung für einen Mann gebräuchlich, der Brandrodung betrieb. Mittenwald suggeriert Wald auf dem Pass, um einen Bauernhof zu betreiben, musste gerodet werden. Zu dieser Zeit galt der Name Prenner für den Hof. Ab dem 14. Jahrhundert wurde aus dem Hofnamen der Ortsname. Wie der Brenner zu seinem ungewöhnlichen Namen kam – ein historischer Wissenschaftskrimi Der Brenner 1978 ― noch mit Schlagbaum und Zoll. FOTO: PIERGIULIANO CHESI

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