Die Tiroler

TIROL FREITAG, 20.1.2023 | NR. 518 4 Nichts für schwache Nerven Bombenalarm – dann ist der Entminungsdienst des Bundesheers gefragt Bis zu 1.000 Einsätze pro Jahr haben die Spezialisten des Entminungsdienstes des Bundesheers österreichweit. Einsätze, die nichts für schwache Nerven sind. Sie sind immer dann gefragt, wenn hochexplosive Hinterlassenschaften aus demzweitenWeltkrieg auftauchen. Brisante Relikte. Denn im Inneren einer 250kg-Fliegerbombe liegen 110 kg Sprengstoff auf der Lauer. So geschehen beispielsweise am 27. März 2019 in Wörgl. Am späten Nachmittag wurde im Zuge von Grabungsarbeiten ein derartiges Stück entdeckt. Der Entminungsdienst des Bundesheers konnte die Fliegerbombe entschärfen. Zum Schutz der Bevölkerung erfolgte sicherheitshalber eine Evakuierung. Im Umkreis von fast einem halben Kilometer durfte sich niemand im Freien aufhalten. Außer den Spezialisten des Entminungsdienstes. Auf dem in der Nähe befindlichen Bahnhof wurde der Zugverkehr gestoppt. Die Entschärfung dauerte eine Viertelstunde. Anschließend Happyend und Aufhebung der Sperren. Die entschärfte Fliegerbombe nahm das Bundesheer mit. In unter zwei Stunden in Tirol: Mit Blaulicht quer durch Österreich Wie läuft so ein Einsatz ab? Wolfgang Körner, Chef des Entminungsdienstes des Bundesheers, gibt uns einen Einblick: „Wir sind in Hörsching bei Linz stationiert. Nach einem Fund übernimmt die Polizei vor Ort die Absperrung und wir rücken aus.“ Und die Entminungsexperten sind schnell vor Ort. „Von Hörsching aus brauchen wir bei einer Blaulichtfahrt bis ganz in den Westen von Österreich nur zweieinhalb Stunden.“ Nach Wörgl werden es auf diese Weise wohl unter zwei Stunden gewesen sein. Otto Normalverbraucher ist schon froh, wenn er für die Strecke weniger als drei Stunden benötigt. „Wir vom Bundesheer sind zuständig für Kriegsmaterial bis 1950. Um unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen wie Rohroder Briefbomben kümmern sich die Kollegen vom Entschärfungsdienst des Innenministeriums“, so Körner. Übrigens – Bombenschutzanzüge, wie wir sie aus Hollywoodfilmen kennen, So kennen wir Bombenentschärfungen aus Hollywoodfilmen. Doch wie sieht es im richtigen Leben aus? Wolfgang Körner vom Entminungsdienst des Bundesheers gibt einen Einblick. FOTO: ADOBE STOCK Ungewöhnliche Einsatzorte stehen für den Entminungsdienst auf der Tagesordnung. Wörgl am 27. März 2019 – die Spezialisten des Bundesheers entschärfen eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. FOTOS: BUNDESHEER tragen die Spezialisten des Entminungsdienstes nicht. „Macht keinen Sinn“, so Körner. „Die Sprengstoffmenge in einer Fliegerbombe ist zu groß. Da schützt kein Anzug. Die Kollegen des Entschärfungsdienstes verwenden sie jedoch.“ Hochgebirgseinsatz am Lafatscher Joch in knapp über 2.000 Metern Höhe Die Bundesheerexperten für Hochexplosives sind an den ungewöhnlichsten Orten im Einsatz. Da wird Munition aus den Tiefen von Seen ebenso geborgen wie aus hochalpinen Lagen. „Letzteren Fall hatte wir beispielsweise vor ca. 15 Jahren im Karwendel am Lafatscher Joch im hintersten Halltal. Dort wurde eine 250-kgFliegerbombe entdeckt und wir mussten anrücken. Dazu muss man wissen, dass bei Bombeneinsätzen im zweiten Weltkrieg nicht über dem Ziel abgeworfene Bomben anschließend dennoch abgesetzt wurden, um dadurch Gewicht und Treibstoff zu sparen, um wieder in die Heimatbasis zurückkehren zu können.“ Die Fliegerbombe vom Lafatscher Joch könnte von einer der Bombardierungen von Hall in Tirol stammen. Hall in Tirol wurde wegen des Frachtenbahnhofs – gleich wie Innsbruck – mehrfach bombardiert. Bequemer als am Lafatscher Joch war da der Fund einer Fliegerbombe zwischen Haller Straße und Bahnhof am 22. November 2021 für den Entminungsdienst erreichbar. Die Bombe war bei Grabungsarbeiten in rund vier Metern Tiefe gefunden worden. 2022 war der Entminungsdienst 985 Mal im Einsatz, um Kriegsrelikte in Österreich zu bergen, abzutransportieren und zu vernichten. Dabei handelte es sich um insgesamt 31,2Tonnen Kriegsmaterial verschiedenster Art. So machten die Entminungsspezialisten beispielsweise 7,3 Tonnen Infanteriemunition, 312 Handgranaten, 16 Panzerfäuste und 37 Fliegerbomben unschädlich. In Tirol wurde eine Tonne in 26 Einsätzen beseitigt. Berge-Versicherung für den Wander-Hund Erfolgreichste Austria-YouTuber Alpine Grenzgänger und Ischgls Pinguin TOURISMUS MEDIEN AUSSTELLUNG Seit 1. Jänner 2023 sind mit der ersten Hundebergeversicherung im Alpenraum die Vierpföter von Österreichs Alpenvereinsmitgliedern bei alpinen Bergungen versichert. Versichert ist der Hund etwa bei einer lebensbedrohenden Verletzung. Aber auch, wenn Frauchen oder Herrchen geborgen werden müssen. Der Hund bleibt dann nicht zurück. Noch bis 28. Februar ist die spektakuläre Ausstellung „Alpine Grenzgänger“ von Alpenzoo und Tiroler Landesmuseen in der Weiherburg geöffnet. Sie gibt die Antwort auf die Frage: Wie schaffen es Tiere und Pflanzen hoch in den Alpen zu überleben? Mit einem Augenzwinkern auch dabei: der „Ischgler Pinguin“. Auflösung vor Ort. Red Bull und der Tiroler Fabio Wibmer sind Österreichs erfolgreichste YouTuber. Red Bull hat aktuell 10,9 Millionen Kanal-Abonnenten, Wibmer stolze 7,3 Millionen. Doch erbitterte Gegner sind sie trotzdem nicht. Das zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 2021. Der Getränkekonzern und der YouTube-Star und Bike-Profi bildeten im Juni dieses Jahres sogar ein Team, als Wibmer als Gast-Chefredakteur von „ e Red Bulletin“ eingeladen wurde. Fotos: Alpenverein, Red Bull Media House, TLM/Kirchner TIROLER POLITIK I EIN BLICK HINTER DIE KULISSEN Brennerkorridor - wichtigster Verkehrsweg über die Alpen. FOTO: IMONITRAF!/ASFINAG Wissen Sie, was iMONITRAF! ist? Transitgeplagte Tiroler sollten wissen, was dahinter steckt. Von Transitverkehr bis hin zum Gütertransport auf der Schiene: Zahlen, Daten und Fakten zum Verkehr im Alpenraum werden im Rahmen dieses Projekts regelmäßig ausgetauscht und diskutiert. Es ist ein Netzwerk von Regionen entlang der wichtigsten Alpenkorridore. Mitglieder sind Tirol, Südtirol, das Trentino und die Zentralschweiz sowie in Beobachterrolle der Schweizer Kanton Tessin, die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur in Frankreich und Bayern. iMONITRAF! zeigt anhand realistischer Prognosen zum Gesamtverkehr über die Alpen einen Zielpfad auf, um eine Verlagerungswirkung zu erzielen und den Straßentransit mittelfristig zu reduzieren. Ziel des Arbeitsprogramms ist es, die Interessen der vom Transit betro enen Alpenregionen nach außen zu tragen und Grundlagen für verkehrspolitische Weichenstellungen zu liefern. „Ein Weiter wie bisher am Brennerkorridor ist keine Option, die Belastungsgrenze ist erreicht“, so Landesrat Rene Zumtobel. Tirol hat derzeit den Vorsitz. Transitgeplagte sollten iMONITRAF! kennen

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