Die Tiroler

TIROL FREITAG, 20.1.2023 | NR. 518 5 Schutzstatus wird überprüft In Sachen Wolf untersucht die EU, ob eine Neubewertung erfolgen soll Wird die rechtliche Stellung des Wolfes in den EU-Richtlinien nun doch überdacht? Aus Brüssel kommen jedenfalls Signale, die Tirols Bauern hoffen lassen. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig sieht auch die politische Arbeit in Österreich als Grund, warum Bewegung in die Sache zu kommen scheint. „Beim EU-Agrarrat letzten Herbst in Brüssel habe ich die Forderung an die EU-Kommission eingebracht, dass der aktuelle Rechtsrahmen zum Schutz großer Beutegreifer überdacht werden muss und dass wir ein europaweit einheitliches Monitoring dieser Beutegreifer brauchen. 16 Mitgliedsstaaten haben die Forderung unterstützt bzw. Bedenken geteilt“, so der Tiroler. „Das Europäische Parlament hat in einer Resolution ebenfalls für eine Neubewertung des Schutzstatus gestimmt. Nun spricht sich auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula Von der Leyen für eine eingehende Analyse der Wolfsbedrohung aus, nachdem Berichte über vermehrte Angriffe auf Nutztiere, insbesondere in den Alpen, eingegangen sind. Unsere Position für Bewegung in der Wolfs-Problematik bekommt also Rückenwind.“ 30 Jahre alte Richtlinie der EU soll überprüft werden „Der Schutzstatus des Wolfes wird über eine EU-Richtlinie geregelt, die 30 Jahre alt ist. Damals gab es in Österreich keine Wölfe. Mittlerweile bedroht der Wolf die heimische Almen-, Land- und Tourismuswirtschaft. Auch in anderen Mitgliedsstaaten wird dieses Raubtier zu einer immer größeren Herausforderung“, so Totschnig und er verweist darauf, dass in Europa derzeit mehr als 17.000 Wölfe gezählt werden. „Der Wolf kennt keine Landesgrenzen. Er ist ein europäisches Problem, für das es eine europäische Lösung braucht. Dass nun auch EUKommissionspräsidentin Von der Leyen dem Thema Aufmerksamkeit schenkt, ist richtig und wichtig“, hält der Landwirtschaftsminister fest. „Wir brauchen Naturschutz mit Hausverstand. Fakt ist: Der Wolf ist ein Raubtier. 2021 gab es in Österreich bereits doppelt so viele Risse, als noch im Jahr davor“, so Totschnig und er erinnert an die hohen Zuwachsraten der Wolfspopulation um bis zu 30 Prozent pro Jahr. „Problemwölfe, die wiederholt Nutztiere reißen und in Siedlungsgebieten auftauchen, müssen entnommen werden können. Ansonsten werden Wird der Schutzstatus des Wolfes von der EU neu bewertet? FOTO: PEXELS Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig setzt sich für die Bauern ein. FOTO: BLM/GRUBER heimische Almen bald nicht mehr bewirtschaftet werden können, Wanderwege werden gesperrt. Das kann keiner wollen.“ WWF befürwortet die Unterstützung von Landwirten Der WWF ist ebenfalls sehr stark in der Wolfsthematik engagiert, sozusagen der Gegenpol von Totschnig. „Der Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Rückkehr des Wolfs nach Österreich ist die Toleranz der Bevölkerung. Ob die Menschen den Wolf akzeptieren können, hängt davon ab, ob die Sorgen vieler Menschen überwunden werden können. Da der Wolf als Fleischfresser neben Wildtieren auch ungeschützte Nutztiere erbeutet, ist es nicht verwunderlich, dass insbesondere die Landwirtschaft demWolf derzeit kritisch oder sogar ablehnend gegenübersteht. Auch andere Landnutzer, wie etwa Jägerschaften, stellen sich die Frage, welchen Einfluss der Wolf auf die Wildbestände und damit auf die Jagd haben wird“, heißt es von Seiten der Naturschützer. „Landwirte müssen dabei unterstützt werden, ihre Nutztiere vor Übergriffen durch Wölfe fachgerecht zu schützen. Dafür braucht es die technologische Unterstützung von Tierhaltern, klare Regelungen und kompetente Ansprechpartner. Der WWF setzt sich weiters dafür ein, dass ausreichend dotierte Fördertöpfe für Zäune, Hirten und Herdenschutzhunde zur Verfügung stehen. Zudem unterstützt der WWF im Rahmen von Projekten die Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen.“ Grenzüberschreitende Luftraumsicherung 3.191 Tiroler begannen Lehre 97 Prozent spüren die Teuerungswelle GRENZSCHUTZ BILDUNG WIRTSCHAFT Bis 22. Jänner sichern die Lu - streitkrä e des Bundesheers anlässlich des Weltwirtscha sforums in Davos verstärkt den Lu raum. Dazu wurde ein Flugbeschränkungsgebiet über Teilen Tirols und Vorarlbergs errichtet. Mehr als 1.000 Soldaten, elf Flächenflugzeuge (Bild: Eurofighter über Innsbruck) und neun Hubschrauber sind im Einsatz. Die Ergebnisse der jüngsten Konsumentenbefragung im Au rag des Handelsverbandes zeigt, dass 97 Prozent der Bevölkerung die Auswirkungen der Teuerung auf den eigenen Haushalt spüren. Mehr als Dreiviertel kaufen verstärkt günstige Lebensmittel. 20 Prozent müssen sich auf den Kauf lebensnotwendiger Güter beschränken. Exakt 3.191 Lehrlinge befinden sich zum Jahresbeginn 2023 in Tirol im ersten Lehrjahr. Damit gibt es zum zweiten Mal in Folge eine leichte Steigerung bei den Lehranfängern. In Summe befanden sich mit Jahresende 10.408 Lehrlinge in 3.156 Lehrbetrieben in Ausbildung. Deutlich mehr Lehranfänger gibt es in den Sparten Industrie mit 352 Lehrlingen (+10,7 Prozent), Tourismus und Freizeitwirtscha mit 337 (+6,0), Information & Consulting mit einem Plus von 17,5 sowie in der Sparte Transport und Verkehr mit 23,6 Prozent mehr. Fotos: Bundesheer/Zinner, Pexels (2) KOMMENTAR I DER LUCHS SIEHT VIELES! Seit Jahrzehnten arbeitet man amAusbau der Kinderbetreuung. Ein Projekt, das unglaublich viel kostet, aber auch große Chancen bietet. Für die funktionierende Vereinbarkeit von Familien und Beruf längst überfällig. Nahezu unglaublich, dass bis vor einigen Jahren die Kindergärten in den Ballungszentren spätestens um 16.30 und in ländlichen Gegenden gar um 12 Uhr ihre Tore schlossen. In Tirol waren Kinderbetreuungseinrichtungen insgesamt ca. 13 Wochen im Jahr geschlossen. Niemand hatte so lange Ferien als KindergärtnerInnen und LehrerInnen. Inzwischen hat sich das geändert und das Angebot wurde stark erweitert. Das ist auch gut so. Eltern, sowie die Wirtschaft verlangen das. Es wäre ein Baustein, um dem Fachkräftemangel zu entgegnen. Aber ist es auch für die Kinder gut? Manche haben noch ein schönes Bild ihrer Kindheit im Kopf, in der die Mutter zu Hause blieb, um rund um die Uhr für ihre Familie da zu sein. Viele Kinder, Garten und Hund – welche Idylle. Doch die meisten Familien haben nur mehr ein bis zwei Kinder, oft sind Mütter Alleinerzieherinnen. Da bekommt das alte, schöne Bild Risse. Die Ansprüche, die Geld kosten, verlangen oft zwei Einkommen. Also über die Notwendigkeit des weiteren Ausbaues der Kinderbetreuung darf sicher nicht gerüttelt werden. Doch das Wichtigste ist, dass die Kinderbetreuung eine gute Qualität hat. Leider sieht man auch in Österreich die Qualität oft mit einer akademischen Ausbildung garantiert. Aber Achtsamkeit, Herzenswärme, Empathie, den Umgang mit Enttäuschungen u.v.m. lernt man auf keiner Hochschule. Leider lernt man da auch zu wenig über gutes Benehmen. Immer wieder stellen Eltern fest, dass Kinder, die sich beim Essen zu Hause bestens benommen haben, nach einiger Zeit Mittagstisch in Einrichtungen benehmen, als ob jede Umgangsform abgeschafft wäre. Aber auch das gehört zum Bildungsauftrag. Das sind alles Dinge, die den jungen Menschen fehlen, wenn sie hinausgehen, um die Welt zu erobern. Man kann sicher nicht die ganze Erziehung an die Betreuungseinrichtungen abgeben. Aber wenn man glaubt, man könne sein Kind um 18 Uhr abholen und mit der Erziehung beginnen, wird man Schiffbruch erleiden. Qualitätsvolle Kinderbetreuung redaktion@athesia.at

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc1MzM=